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Mit Französisch gewinnen!
Die Französisch-Schülerinnen und -Schüler der Klasse GY10A des Wirtschaftsgymnasiums des Walter-Eucken-Berufskolleg haben den zweiten Platz im bundesweiten deutsch-französischen Internet-Teamwettbewerb 2013 gewonnen. Die Teilnehmer haben folgende Kompetenzen unter Beweis gestellt: Hör- und Leseverstehen, schriftliche Kommunikation, Erwerb soziokultureller Kenntnisse, Medienkompetenz und Internetrecherche sowie Zeitmanagement und Teamarbeit. Dafür wurde ihnen eine
Urkunde verliehen. Das Foto zeigt die Preisträger mit den Mitgliedern der Band TRYO sowie die Französischlehrerinnen Frau Lefur und Frau Berlin-Hörle
Gedenkveranstaltung 2011

- Fotos von Opfern

- Zeitzeuge Henry Oster

- Stellwand mit Dokumenten, Schriftstücken usw.
- zum 70. Jahrestag des Beginns der Deportationen von Juden - Bilder, Emotionen, Erlebnisse -
Es sind bereits mehr als 70 Jahre vergangen, als im Herbst 1941 Bürgerinnen und Bürger jüdischer Abstammung systematisch deportiert werden. Einer von ihnen ist Henry Oster, der aber den Zwangsaufenthalt im Ghetto überlebt.
Anlässlich des 70. Jahrestages des Beginns der Deportationen wurde im Landtag Düsseldorf auf der Veranstaltung „Deportiert ins Ghetto“ an die grausamen, gnadenlosen und brutalen Ereignisse erinnert. Insgesamt sind 3.014 Juden aus dem Rheinland ins Ghetto Litzmannstadt (Łodź) deportiert worden. Schmerz, Trauer und Leid sind nur wenige Begriffe, mit denen ihr Leben in dem Ghetto umschrieben werden kann. „Ich habe keine Ahnung, wieso oder weshalb ich überlebte“, sagte Henry Oster auf der Veranstaltung, als er über seinen „Schmerz der Vergangenheit“ spricht. Dieser Schmerz prägt ihn bis heute – sehr. Darum „hatte er sich geschworen, nie mehr nach Deutschland zu reisen.“ Doch er hat es getan. Während seiner Rede bricht er in Tränen aus, als er von der Verschleppung redet. Zu dieser Zeit ist er noch ein kleines Kind. Er musste zuschauen, wie sein Vater ermordet wurde.
Die katastrophalen Arbeits– und Lebensbedingungen wurden den Gefangenen zum Verhängnis. Sie starben – fast alle von ihnen. Viele Fotos, Dokumente sowie Schriftstücke – bereitgestellt vom Arbeitskreis Mahn – und Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen e.V. – verdeutlichen auf den Plakaten im Landtag Düsseldorf die Zustände in dem Ghetto.
Für uns war die Teilnahme an dieser Ausstellungseröffnung sehr beeindruckend, weil wir einen der letzten Überlebenden hören konnten. Im Rahmen der Gedenkstunde ist uns durch die Ansprachen des Landtagspräsidenten Uhlenberg und der Historikerin Jakobs zusätzlich noch einmal bewusst geworden, dass es die Aufgabe unserer Generation sein wird, wachsam zu sein, damit die Würde des Menschen mit seinen davon abgeleiteten Grundrechten nicht gefährdet ist
Text: Mina Albutaibe und Adrian Kuhs, Klasse GY09A; Fotos: Nila Zamani
Besuch ehem. Zwangsarbeiter im September 2010
Die Zeit des Nationalsozialismus hat viele Menschen geprägt, so auch Jozef Piaskowiak und Feliksa Chwedorsewska, welche als Jugendliche ihren Eltern entrissen wurden und nach Deutschland als Zwangsarbeiter verschleppt wurden.
Einige Schüler unserer Schule hatten am 22. September 2010 die Ehre ein Stück aus diesem schicksalvollen Leben zu erfahren.
Jozef Piaskowiak kam im Alter von gerade einmal 14 Jahren nach Deutschland und arbeitete zuerst bei einem Bauern, der ihn und andere Zwangsarbeiter sehr schlecht behandelte. Durch einen glücklichen Zufall konnte Herr Piaskowiak die Arbeitsstelle wechseln und kam in eine Seifenfabrik nach Düsseldorf, in der er gut behandelt worden ist. Der heute 85 Jährige lernte dort auch seine Frau kennen. Sie heirateten in Deutschland und ihre Tochter wurde hier geboren. An diese positiven Erinnerungen, die in einer schrecklichen Zeit geschahen, erinnert er sich gerne zurück. Herr und Frau Piaskowiak erneuerten dieses Jahr ihr Eheversprechen in derselben Kirch, in der sie zum ersten Mal getraut wurden.
Feliksa Chwedorsewska arbeitete bei einer Bauernfamilie und verstand sich sehr gut mit dieser, sie sah die Bäuerin sogar wie eine eigene Mutter an. Nach dem Krieg ging sie zurück nach Warschau und blieb unverheiratet. Aber auch noch nach so langer Zeit kann sie heute etwas deutsch.
Bei all dem Positiven, was die Zeitzeugen erzählen, sollte man nicht vergessen, dass sie es nicht leicht hatten. Sie hatten Glück in einen Betrieb oder zu einer Familie zu kommen, die sie als Menschen ansahen und auch so behandelten. Das war leider nicht die Regel. Es muss schrecklich gewesen sein als junger Mensch den Eltern entrissen zu werden und ins Ungewisse verschleppt zu werden, auch für die Eltern!
Seit einigen Jahren gibt es ein Besuchsprogramm in dem der Staat ehemalige Zwangsarbeiter nach Düsseldorf einlädt, um ihnen zu zeigen, wie sich die Stadt in den Jahren nach dem Krieg gewandelt hat. Da es in diesem Jahr aufgrund des fortgeschrittenen Alters der ehemaligen Zwangsarbeiter zum letzten Mal stattgefunden hat, danken wir hiermit nochmals dafür, dass wir als letzte Schülergruppe die Möglichkeit hatten, aus erster Hand zu erfahren, wie ein Leben als Zwangsarbeiter in Deutschland ausgesehen hat. Diese drei Stunden werden für uns unvergesslich bleiben. Ein großer Dank geht auch an die Organisatoren der Stadt Düsseldorf und der Mahn- und Gedenkstätte, ohne die dieser Austausch nicht möglich gewesen wäre.
Zeitzeugengespräch
Mit großer Aufregung über den Besuch von Frau Lucas am 16. Juni 2010 kamen meine Klassenkameraden und ich überpünktlich zum Unterricht. Frau Lucas saß bereits vorne am Lehrerpult. Mit großem Interesse konnten wir einen Einblick in ihre Biographie erhalten.
Frau Lucas wurde 1926 in Düsseldorf geboren. Von klein auf hatte sie großes Interesse an Autos. Als Tochter eines Automechanikers und einer Opernsängerin war sie schon zu ihrer Zeit etwas Besonderes. Schon als kleines Kind kannte sie sich Dank ihres Vaters mit Autos aus. Frau Lucas wohnte auf der Kopernikusstraße ganz in der Nähe unserer Schule. 1946 machte Frau Lucas ihren Führerschein als 2. Frau in ganz Düsseldorf.
In ihrer Kindheit war es noch üblich, dass die Großmutter auch in der Wohnung lebte. Frau Lucas konnte sich an den 2. Weltkrieg erinnern. Pfingsten wurde ihr Haus von Bomben getroffen. Die Bomben richteten in der Wohnung große Zerstörung an. Wichtig war ihr, dass der Kanarienvogel das Chaos überlebte. Trotz der schlimmen Kriegszeit beschrieb Frau Lucas die Bunkeraufenthalte als angenehm, da sie dort Gleichaltrige traf.
Zu dieser Zeit studierte Frau Lucas Sozialpädagogik. Sie lebte damals von Lebensmittelkarten. Im Bund Deutscher Mädel machte Frau Lucas viel Sport, den sie als ziemlich spaßig empfand. Sie beschrieb dennoch die Schattenseiten ihrer Kindheit. So wurde eine jüdische Freundin von ihr deportiert und sie war dabei, als die Synagoge auf der Kasernenstraße brannte. Sie hat bis heute nicht vergessen, dass ihre Mutter weinte. Die Kinder und Jugendlichen zu dieser Zeit wussten lange nicht, wieso das Ganze passierte. Man wurde zu dieser Zeit nicht aufgeklärt, erzählte sie. Über solche Themen wurde auch nicht gesprochen.
Als nach dem Unterschied zu den Lebensbedingungen heutiger Jugendliche gefragt wurde erzählte sie, dass Mädchen keine Hosen tragen durften und auf der Volksschule als Bestrafung mit einem Bambusstock geschlagen wurde. Frau Lucas, eine auch heute noch attraktive Frau, trat auf der ersten Modenschau als Mannequin auf der Königsallee auf. Dort posierte sie in Stiefeln, die eine kleine Tasche für den Lippenstift hatten.
Als die Doppelstunde nun zum Ende kam durften wir noch ein paar Abschiedsfotos schießen. Mit einem Blumenstrauß bedankten wir uns herzlich. Ich denke, meine Klassenkameraden und ich werden den Besuch von Frau Lucas positiv in Erinnerung behalten und wir sind dankbar für diesen privaten Einblick in ihr früheres Leben.
(Christian Dávila Melendez; Fotos: Julian Hosse; beide Klasse GY09A)
Besichtigung des Flughafens und der Firma "Bixolon"
Es war sicherlich kein normaler Tag für den Düsseldorfer Flughafen, am 22.12.2009. Einen Tag zuvor war ein riesiges Schneechaos in Teilen NRWs ausgebrochen und die Reste dieses Ausnahmezustandes rollten vor unserem Shuttlebus in Lkws über das Flughafengelände.
Wir, der EuroBWL- Kurs und angehende Außenhandelskaufleute sowie unsere Lehrer, Frau Minkenberg und Herr Bosch, machten eine Exkursion zum Thema Logistik und Luftfrachtabfertigung, welche hinterher bei der Firma Bixolon endete.
Wir wurden über die Flugzeugplätze außerhalb der Gates gefahren, wobei wir das Glück hatten, eines der größten Frachtflugzeuge, das den Düsseldorfer Airport anfliegen kann, eine Boing 747F, zu betrachten. Dabei konnte man die aus Aluminium bestehenden Container, die auf Schienensystemen in den Flugzeugen verlagert werden, sehen. Ein Frachtflugzeug wird auch „Frachter“ genannt und das gesamte Innere wird als Frachtraum gebraucht, denn dies ist bei Personenflugzeugen nicht der Fall, da hier das obere Deck für die Fluggäste vorgesehen ist. Natürlich ist unser Bus auch in den VIP-Bereich gefahren, zu dem sogenannten GAT, wo diverse Jets und die zugehörigen Wartehallen sich befinden. Die dortigen Fluggäste werden von der finnischen Airline Jet Aviation betreut. Der Düsseldorfer Flughafen verfügt über drei Terminals A, B und C. In den Terminals B und C befinden sich die zwei Gepäcksortiermaschinen, die jeweils unzählige Gepäckstücke am Tag abfertigen.
Zum Airport gehört auch eine hoch moderne Feuerwehrstation, ohne die jeglicher Flugverkehr untersagt wäre. Da sich der Flughafen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten befindet und die Arbeiten an Flugzeugen nicht die Anwohner belästigen sollen, wurde eine Turbinentest-Schallschutzhalle gebaut, die schallisolierend ist und wodurch auch die Hupe unseres Busses sehr kläglich erschien. Wir fuhren einmal komplett am äußeren Rand des Geländes entlang, wodurch wir auch einen sehr guten Blick auf startende und landende Flugzeuge, die direkt über unseren Köpfen hinwegflogen, hatten. Zudem waren wir auch in den Wartungshallen der Lufthansa und von AirBerlin.
Um unsere Tour noch zu einem guten Abschluss zu bringen fuhren wir mit dem Skytrain zum Flughafenbahnhof und von dort aus zu Fuß zu einem Tochterunternehmen von Samsung. Das Unternehmen Bixolon hat weltweit drei kleinere Niederlassungen und vertreibt Kassendrucker für Discounter und andere Märkte. Wir erhielten einen Einblick in das Lagersystem und konnten somit nochmals den Weg eines Produktes besser nachvollziehen, von seiner Herstellung im Ausland über seinen Transport, z.B. per Flugzeug über den Flughafen Düsseldorf, bis hin zum Lager und endgültigen Verkauf und somit in Betriebnahme bei den Kunden.
(Stefanie Thiess, Klasse GY08A)
Verschiedene Erfahrungen - verschiedene Welten.

- Zeitzeugengespräch im Herbst 2009
Gespannt sitzen die Schüler des WEBK-Abschlussjahrgangs in einem Stuhlkreis versammelt in dem ihnen bereits seit längerem vertrauten Unterrichtsraum; immer wieder huschen scheu-interessierte Blicke zur Tür, man bereitet sich auf die bevorstehende Ankunft der nahenden Gäste aus Weißrussland vor. Diese, ihres Zeichens während der Hitlerdiktatur als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, haben sich in Kooperation mit der Düsseldorfer Mahn-und Gedenkstätte dazu bereit erklärt, noch einmal die Erinnerungen ihrer jüngsten Kindertage jener Gruppe von Schülern darzustellen.
Unser Schulleiter, Herr Jacobs, heißt die Gäste mit einer Ansprache über die Geschichte und Bedeutung Weißrusslands herzlich willkommen. Nach einigen folgenden Worten des Dankes unserer Geschichtslehrerin, Frau Müllenbach, beginnt eine der Zeitzeuginnen, Anfisa Ewdokimowna, die ebenso wie ihre beiden Mitreisenden zum ersten Mal nach beinahe 70 Jahren wieder in Deutschland ist, ihre Erzählung, zuvor von Alexandra Konstantina mit einem erheiternden "Was uns einfällt, erzählen wir gerne!" kommentiert.
Obwohl Amfisa, geboren 1934, zugeben muss, damals kaum ein wirkliches Leid am eigenen Leibe erfahren zu haben, ist ihre Geschichte dennoch bedeutungsschwer und von schweren Schicksalsschlägen geprägt: Als jüngstes von drei Kindern wurde sie im Jahre 1943 mit ihren Eltern aus einem Dorf bei Minsk verschleppt, nachdem dieses bereits von beiden Seiten zum Ziel etlicher Bombenanschläge geworden war. Man hatte bereits zuvor gehört, dass ein Nachbardorf von Faschisten niedergebrannt worden war, dessen Bewohner in eine Scheune gepfercht das gleiche Schicksal erlitten haben sollen. Als Amfisia an dem Punkt ihrer Erzählung ankommt, an dem auch sie und die restlichen Bewohner ihres Heimatdorfes von Deutschen in eine Scheune gesperrt wurden, wird sie kurz von einer Gemütsregung sowie der beruhigenden Hand ihrer Dolmetscherin unterbrochen, fährt jedoch unmittelbar fort.
Anstatt elendig verbrannt zu werden, transportierte man sie und ihre Familie über Polen nach Düsseldorf zur Zwangsarbeit in einer Ziegelei. Ihre älteste Schwester erlitt bei ihrer Arbeit in einer Stahlseilfabrik eine Todgeburt, wurde jedoch von Ärzten gut und fürsorglich behandelt. Nachdem ihre Mutter durch einen gebrochenen Fuß invalide wurde, sollte sie in der Küche arbeiten, wo sie Kartoffeln für ihre Mündel versteckte, doch auch die deutsche Bevölkerung hatte stets Brot, Butter und ähnliches für Amfisia und ihre Geschwister übrig.
Von den Alliierten befreit, bekamen sie das Angebot, nach Amerika zu ziehen, doch war die Sehnsucht nach der eigenen Heimat so groß, dass sie nach einer Übergabe an die Soldaten der sowjetischen "Roten Armee" 1945 nach Minsk zurückkehren konnten.
Im Dorf war ihr eigenes Haus inzwischen von vier Kindern besetzt, deren Eltern als Partisanen erschossen worden waren; sogar die Möbel hatten sie der Kälte wegen bereits verbrannt. Nach ihrer Rückkehr wurde drei Jahre lang die Volkshochschule besucht, jahrelang musste im Rahmen der Kollektivierung der Landwirtschaft 'Sklavenarbeit' verrichtet werden. Eine Entlohnung erfolgte in Form von Naturalien anstelle klingender Münze. Heute lebt die verwitwete Amfisa bei ihrer Tochter und blickt stolz auf eine Reihe neuer Familiengenerationen zurück.
Nachdem diese erste Erzählung endet, holt die andere Zeitzeugin Alexandra tief Luft. Die 1938 Geborene ist eine quirlige Dame, deren Redefluss immer wieder von ihrer Dolmetscherin unterbrochen werden muss. Damals, so erzählt Alexandra Konstantinowa, zu Zeiten des zweiten Weltkrieges, führten viele Autobahnen in Richtung Moskau, auch durch ihr Dorf war eine Autobahn vorgesehen. Während dieser Bauarbeiten wurde ihr Vater in die "Rote Armee" eingezogen, seine Kompanie jedoch zerschlagen. Zu ihrem und zweifelsohne auch seinem Glück konnte er allerdings überleben. Doch der Krieg forderte viele Opfer.
Alexandra wurde zusammen mit ihrem Bruder Victor, ihrer Schwester und ihren Eltern im Nachbardorf zur Zwangsarbeit zusammengetrieben und in Viehtransporten ohne Medizin und Verpflegung nach Deutschland gebracht. Bei Transportverzögerungen bemühten sich die Eltern darum, Geld zu verdienen, so auch bei einer Übernachtung in einer besetzten Schule, in welche Partisanen eindrangen, um die Gefangenen zu befreien. Doch aus Angst vor den deutschen Soldaten, die sie noch am nächsten Tag weiter nach Düsseldorf brachten, weigerten sie sich mitzugehen.
Dort wurden ihre Eltern in ein großes Arbeitslager gesteckt. Als in der Nähe das Schaf eines Bauern starb, gruben einige Kinder es nach etwa einer Woche aus, um den Kadaver zu vertilgen.
Eine Zeit lang gab es wenig oder gar nichts zu essen, manchmal bis zu einer Woche. Aus diesem Grund hatte ihre Mutter den Entschluss gefasst, sich und ihre Kinder zu erhängen, wozu es auch beinahe gekommen wäre. Das Seil war bereits gespannt, hätten sie nicht noch im letzten Moment einige Getreidekörner entdeckt, die sie von diesem Entschluss wieder abbringen konnte.
Am Tage der Befreiung wurde von ihnen verlangt, sich vor einem Stahlwerk aufzustellen, als plötzlich von zwei Seiten Panzer anrollten. Die Befürchtung einer Auseinandersetzung zwischen deutschen und amerikanischen Truppen bewahrheitete sich glücklicherweise jedoch nicht. Sie wurden ohne Schüsse von den Alliierten befreit, an der Elbe den russischen Truppen übergeben und zurück in ihre Heimat transportiert. Dort gab es viele Zwangsuntersuchungen, Geheimdienste wurden eingesetzt und was noch viel dramatischer war: Zwangsarbeiter galten als Verräter, denen der Besuch höherer Schulen verwehrt blieb. Nachdem sie ihr Heim in Russland vollkommen zerstört vorgefunden hatten, zogen Alexandra und ihre Familie nach Weißrussland um.
Der dritte im Bunde, der achtzig Jahre alte Herr Michalowitsch, ein ehemaliger KZ-Häftling, weiß nicht recht, was er den erwartungsvollen Schülern erzählen soll, seine schlimmsten Erfahrungen hat er mit den Deutschen gemacht. Der damalige Wandel der durch ihren Humaniismus bekannten deutschen Kultur hin zum Faschismus sei ihm unbegreiflich.
Vor dem Hintergrund seiner Mahnung vor einem einen erneuten europäischen Krieg überreicht er der Schule ein aus Archivmaterial zusammengestelltes Buch ("Handbuch der Haftstätten für Zivilbevölkerung auf dem besetzten Territorium von Belarus 1941-1944").
Nun haben die Schüler noch einige, ihnen wichtig erscheinende Fragen auf den Herzen, allen voran, welche Beweggründe und Motive die weißrussischen Gäste für ihre Teilnahme an diesem "Zeitzeugen"-Projekt haben. Alexandra und Herr Michalowitsch teilen ihre Meinung, einen Beitrag leisten zu wollen, damit sich Geschehnisse von damals nicht noch einmal wiederholen. Amfisa andererseits hat noch einen weiteren Beweggrund: Die in Düsseldorf lebende Nachbarstochter und ihr Interesse am Wandel Deutschlands.
Ob sie auch schöne Erinnerungen an die damalige Zeit haben würden? Durchaus, so Amfisa, sei die Zivilbevölkerung sehr hilfsbereit und freundlich ihr gegenüber gewesen. Alexandra hingegen erzählt, von der Stadt nicht viel mitbekommen zu haben und lächelt entschuldigend.
Auf die Frage nach eventuellen Familienverlusten kämpft Alexandra mit den Tränen. "Alle kamen zurück - alle wollten zurück.", lautet ihre Aussage. Amfisa hingegen hat den Verlust ihres verschollenen Bruders sowie den vermuteten Selbstmord ihrer Schwester in Düsseldorf zu verschmerzen.
Mit Blick auf die Lebensbedingungen in Weißrussland ist abschließend die Frage gestellt worden, ob sie den Entschluss jemals bedauert haben, sich 1945 gegen das Angebot nach Amerika auszuwandern, entschieden zu haben. Alexandra hält das eigene Zuhause noch immer für am Besten, so auch Amfisa, die zudem noch zu gibt, dass ein solcher Gedanke damals, sich von seiner Heimat abzuwenden, nicht nur strafbar, sondern zugleich undenkbar gewesen wäre, aber sie denke ja ohnehin nicht mehr an den Krieg. Die offenen Grenzen der europäischen Union sowie das heutige Miteinander betrachtet sie als einen guten Schritt für die Zukunft.
Gerne hätten sich alle Beteiligten noch länger unterhalten. Zum Dank für ihre Mühen werden den erleichtert strahlenden Gästen Gastgeschenke überreicht und auch ein gemeinsames Gruppenphoto wird noch rasch aufgenommen, bevor sich die Zeitzeugen mit teils herzlichen Umarmungen und allseitigen Verabschiedungen auf den Weg zu in den Düsseldorfer Landtag machen.
(Sascha Winkler, Klasse GY07B)
Gesellschaftslehre mit Geschichte

- Broschürendeckblatt "Verschiedene Erfahrungen - verschiedene Welten. Begegnung in Düsseldorf" hrsg. von der Landeshauptstadt Düsseldorf
Besuch einer ehemaligen polnischen Zwangsarbeiterin im Walter-Eucken-Berufskolleg
Die Stadt Düsseldorf hat vom 23. bis 29. August 2006 ehemalige polnische Zwangsarbeiter in die Landeshauptstadt eingeladen, welche zur Zeit der NS-Diktatur in Düsseldorf arbeiten mussten.
Im Rahmen des Besuchsprogramms hatten wir, die Klasse GY04A, Gelegenheit, mit einer Polin als Zeitzeugin ins Gespräch zu kommen. In Begleitung von Historikern der Mahn- und Gedenkstätte in Düsseldorf, ihrer Tochter und eines Dolmetschers berichtete sie über ihre Zeit in Düsseldorf: als Jugendliche im Alter von 16 Jahren nach Deutschland verschleppt, weggerissen von Familienangehörigen und Freunden, allein und ohne deutsche Sprachkenntnisse zur Arbeit gezwungen. Ihre traumatischen, aber auch teils positiven Erfahrungen mit Düsseldorfer Bürgern teilte sie uns offen und emotional bewegend mit. Hier lernte sie damals ihren polnischen Ehemann kennen und hier kam ihr ältestes Kind zur Welt.
Dabei war es ihr besonders wichtig ihren Zuhörern, uns Schülern, die Bedeutung moralischer Grundsätze wie Nächstenliebe, Respekt und Rücksicht gegenüber Mitmenschen herauszustellen.
In Düsseldorf, wo sie als junger Mensch gezwungenermaßen wichtige Jahre ihres Lebens verbrachte, konnte sie ihren 80. Geburtstag feiern.
Unsere Gratulation und ein Gedicht in polnischer Sprache, von unserer Mitschülerin Kinga vorgetragen, nahm sie unter Tränen entgegen. Besonders diese Szene machte deutlich, wie wichtig neben der historischen Aufklärung und Aufarbeitung die Begegnung mit Menschen ist.
Farid El Ouamar
(Schüler der Klasse GY04A)
Zeitzeugengespräch
Im Rahmen des Besuchsprogramms für ehemalige Düsseldorfer Zwangsarbeiter/innen konnten, wie in den vorangegangenen Jahren, Schüler und Schülerinnen der gymnasialen Oberstufe unserer Schule mit einem Betroffenen ein Zeitzeugengespräch führen. In diesem Jahr besuchte uns Herr Rachuba aus der Ukraine in Begleitung seiner Tochter.
Als Herr Rachuba den Raum betrat, lächelte er freundlich und war sichtlich erfreut über unser Interesse an seiner Vergangenheit. Um uns direkt zu Anfang einen Einblick in seine Vergangenheit zu geben, las er uns ein selbstverfasstes Gedicht vor, welches er Tage zuvor schrieb. Seinen Zeilen entnahmen wir, dass es ein großer Traum für ihn gewesen sei, irgendwann wieder nach Düsseldorf zu kommen. Zu der Zeit, als er in Deutschland war, vermisste er seine Heimat sehr. Er hatte im Lager keine Freiheit und wartete nur auf das Ende des Krieges. Er erinnerte sich an die vielen Bombenangriffe, die nur wenige überlebt hatten. Er dachte ebenfalls, er selbst würde die Zeit nicht überleben. Er betonte, dass er vor 65 Jahren in Düsseldorf war und sich trotz der langen Zeit, die seit dem vergangen ist, noch an sehr viele Dinge erinnern kann. Zum Schluss seines Gedichtes sagte Herr Rachuba, dass er aus der christlichen Seite der Ukraine gekommen sei, um sich zu versöhnen.
Herr Rachuba berichtete, dass er 16 Jahre alt gewesen sei, als er 1943 nach Düsseldorf verschleppt worden war. Er erinnerte sich sogar, dass es im November war. Seine erste Nacht werde er niemals vergessen, als zwei Stunden lang Bombenangriffe kamen. In den ersten zwei Wochen, die er in Düsseldorf war, starben ca. 2500 Menschen. Er konnte sich noch genau an den Geruch der Leichen und der Brände in der ganzen Stadt erinnern.
Man stellte ihn als Hilfsarbeiter in Reisholz bei der RWE ein. Es gab dort Kohlsuppe, Spinat und 200g Brot zu essen. Er erzählte, dass es an Weihnachten sogar vier Tage frei gab, worüber sich alle freuten. Trotzdem mussten sie hungern. Der ständige Mangel an Lebensmitteln war häufig der Mittelpunkt seiner Erzählungen.
Nach einiger Zeit flüchtete er über Boote und gelangte auf die andere Rheinseite. Seine Einstellung zu dieser Zeit teilte er uns in einem Satz mit: „Da wo die Augen hinschauen, da geh ich hin!“ Auf der Oberkassler Seite half er zunächst bei der Kartoffelernte. Der Bauer, der ihn beschäftige, gab ihm ein gutes Bett und gutes Essen. Bei der Anmeldung im Arbeitsamt wurde er abgeführt und in eine Kirche gebracht, wo die Gestapo ihn bewaffnet empfing. Er hatte sehr große Angst und wurde zunächst durchsucht. Die Fotos und Briefe von seiner Familie und seinen Kollegen, die er bei sich trug, nahmen sie ihm weg und warfen ihn in ein Kellerloch, das einem Gefängnis glich. Dort verbrachte er vier Tage und wurde dann zur Kriminalpolizei nach Ratingen gebracht. Sie fanden heraus, dass er einen falschen Namen angegeben hatte und brachten ihn zur Strafe für zwei Wochen in ein Straflager. Dort waren die Zustände noch schlimmer als in den Zwangsarbeiterlagern. Die Gefangenen hatten vor Hunger ganz ausgemergelte Gesichter. Die Arbeiter mussten sogar hungrig arbeiten, so erinnerte sich Herr Rachuba noch sehr genau. Sie bekamen verdünnte Milch in Schüsseln und bekamen dann einen kräftigen Schlag auf den Rücken. Wer seine Schüssel halten konnte, durfte die Milch trinken. Es gab Tage, an denen er von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr abends arbeiten musste.
Er wurde aus dem Strafgefangenenlager mit der Drohung entlassen, ihn im Wiederholungsfall in ein KZ einzuliefern, aus dem es dann kein Zurück mehr gäbe. Sein neuer Einsatzort war eine Oberkassler Werkstatt, in der Munitionsteile hergestellt wurden. Die Arbeitsbedingungen dort waren erträglicher. Sein Arbeitgeber versteckte Brot für ihn im Regal, das er in unbeobachteten Augenblicken zu sich nehmen konnte. Er erhielt jeden Monat Lohn und konnte u.a. damit die Straßenbahnkarte lösen. Auf einem Marktplatz wurde er von einem Deutschen angesprochen, der ihm gegen Geld eine Lebensmittelkarte gab, was streng verboten war. Auf diese Weise konnte Herr Rachuba sich mit dem Lebensnotwendigen versorgen.
Aus Zeitgründen musste er an dieser Stelle leider seine Erinnerungen abbrechen. Er schenkte uns ein Buch, indem seine Lebensgeschichte niedergeschrieben war. Für uns, die nur jene Zeit aus dem Geschichtsbuch kennen, waren es lehrreiche und bewegende Stunden, für die wir Herrn Rachuba sehr dankbar sind.
Jennifer Talar
(Schülerin der Klasse GY06C)
- Die Fotos zeigen den Zeitzeugen, Herrn Rachuba, und seine Tochter sowie Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13.





